MIKROSKOPISCHE ENDODONTIE

Die eigenen Zähne erhalten

Endodontie oder Endodontologie kommt aus dem Griechischen (ἔνδον [endon]- innen, ὀδών [odon]- Zahn, λόγος [logos]- Lehre) und bedeutet die Lehre vom Zahninneren. Die Endodontie ist der Teilbereich der Zahnmedizin, der sich schwerpunktmäßig mit Erkrankungen des Zahninneren beschäftigt. Von entzündlichen Prozessen im Zahninneren können vor allem die Pulpa (Zahnmark – Blut- und Lymphgefäße, Nerven und Bindegewebe), das Dentin (Zahnbein) und periapikal (umgebendes Gewebe der Wurzelspitze) betroffen sein.

Zu den häufigsten Behandlungen in der Mikroskopischen Endodontie ist die Erstbehandlung des Wurzelkanalsystems zu nennen. Zeigen sich nach vorhergehenden Wurzelbehandlungen erneut entzündliche Prozesse, so ist eine Wurzelkanalrevision  (Entfernung der bestehenden Wurzelfüllung und erneute Wurzelbehandlung) erforderlich. Ist der Wurzelspitzenbereich (apikale Region) eines Zahnes nicht zu behandeln oder heilt eine periapikale Entzündung nach erfolgter Wurzelbehandlung nicht aus, ist eine Wurzelspitzenresektion (die Wurzelspitze wird gekürzt und das Zahninnere von dort aus erneut gereinigt und gefüllt) notwendig.
 

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Die eigenen, endodontisch erkrankten Zähne in ihrer Ästhetik und Funktion zu erhalten ist trotz aller Fortschritte in der Implantologie immer noch die erste Wahl und auch die beste Lösung.

Viel Erfahrungund die mikroskopische Behandlung des Wurzelkanalsystems führt zu deutlich erhöhten Erfolgsprognosen und Überlebensraten endodontisch behandelter Zähne.

Die Mikroskopische Endodontie gehört zu den Kernkompetenzen unserer Praxis.

Wir gewährleisten Behandlungsqualität durch strenge Einhaltung der GME-Richtlinien . Dadurch sind Erfolgsprognosen bei der ersten Wurzelkanalbehandlung (Primärbehandlung) von 90-95% und bei einer erneuten Wurzelkanalbehandlung (Revisionsbehandlung) von 70-80% zu erreichen.

Auch bei schweren Vorschäden können so wurzelkanalbehandelte Zähne für Jahre und Jahrzehnte zuverlässig erhalten werden.

Master of Science Endodontie

Das zweieinhalbjährige Studium, Master of Science Endodontie, ist die momentan umfangreichste Ausbildung dieses Fachgebiets mit universitärem Abschluss. Dies berechtigt den Namenszusatz "MSc" zu führen.

Aus diesem Studiengang hervorgegangene Spezialisten für Endodontie haben sich in der GME - Gesellschaft der Master für Endodontie zusammengeschlossen.

Erstbehandlung des Wurzelkanalsystems

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Ist bei einem Zahn bereits der Zahnnerv erkrankt oder abgestorben, wird eine endodontische Behandlung (Wurzelkanalbehandlung) notwendig. Eine Behandlung des Wurzelkanalsystems erfordert umfangreiches Fachwissen, Erfahrung und Präzision auf kleinstem Raum. Der Wurzelkanalverlauf ist oft kompliziert mit haarfeinen, verzweigten Strukturen, mikrofeinen Ausbuchtungen, netzförmigen Verbindungen und Seitenäste von Wurzelkanälen. Eine langfristig erfolgreiche Behandlung ist häufig nur mit Hilfe eines OP-Mikroskops (Xenonlicht und bis 20-fache Vergrößerung) möglich. Denn nur was man sieht, kann entsprechend behandelt werden. Die moderne Endodontie ist ohne OP-Mikroskop nicht vorstellbar.

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Das Auffinden, Aufbereiten und Reinigen des Wurzelkanalsystems stellen den entscheidenden Schritt in der endodontischen Therapie dar. Alle Wurzelkanäle eines Zahnes müssen frei von Gewebsresten, Bakterien und deren toxischen Substanzen sein. Wir setzen verschiedene Spüllösungen, teilweise ultraschallaktiviert, ein, um dies zu erreichen. Wir füllen und verschließen das Wurzelkanalsystem mit einer von SCHILDER / USA entwickelten Methode: die thermoplastische dreidimensionale Wurzelkanalfüllung. Erwärmte Guttapercha wird in den Kanal gepresst und damit auch Seitenkanäle und feine Verzweigungen an der Wurzelspitze hermetisch abgedichtet. Erst nach der endodontischen Behandlung können die entzündlichen Veränderungen im Knochen ausheilen.

Schritt für Schritt

Bei der Wurzelkanalbehandlung kommen in unserer Praxis moderne und aufwändige Verfahren und Techniken zur Anwendung. Sie sind entscheidend für den Erfolg der Therapie und damit für den langfristigen Erhalt des Zahnes.   

  • Kofferdam: Für eine erfolgreiche endodontische Behandlung ist die Isolation des zu  behandelnden Zahnes mit einem Kofferdam absolute Voraussetzung. Ein Kofferdam ist eine medizinische Membrane und trennt Behandlungsfeld vom Mund- und Rachenraum. Das bietet Schutz vor Kreuzinfektionen; das bedeutet kein Eindringen von im Speichel enthaltenen Mikroorganismen in den Wurzelkanal.  
  • Dental-Mikroskop: In unserer Praxis setzen wir das Dental-Mikroskop besonders für das Auffinden und Darstellen aller, teils haarfeiner, Wurzelkanäle eines Zahnes ein. "Man kann nur behandeln, was man auch sieht". Prof. Kim / USA
  • Elektronische Längenmessung: Sie ist heute die exakteste Methode die Länge der    Wurzelkanäle und damit die genaue Position der Wurzelspitze zu bestimmen.
  • Maschinelle Wurzelkanalaufbereitung: Die maschinelle Bearbeitung, Ausformung und Reinigung der Wurzelkanäle ist sehr wirkungsvoll und ermöglicht so die gründliche Desinfektion des Wurzelkanalsystems bis zur Wurzelspitze.
  • Sicherheit: Wir verwenden für die maschinelle Bearbeitung und Ausformung der Wurzelkanäle ausschließlich nur Einmalfeilen aus Nickel-Titan. Das minimiert die Feilenfraktur deutlich.
  • Sorgfältige Reinigungsverfahren: Wir wenden grundsätzlich ultraschallunterstützte Spülungen nach einem festgelegten Protokoll zur besseren Reinigung und Desinfektion der Wurzelkanäle ein.
  • Photodynamische Lasertherapie: Laserstrahlen wirken desinfizierend und entfernen Bakterien selbst in feinen Seitenkanälen und in "Poren" der die Wurzelkanäle umgebenden Zahnhartsubstanz.
  • Thermoplastische 3-D Füllung: Wir füllen und verschließen das Wurzelkanalsystem mit einer von SCHILDER / USA entwickelten Methode: die thermoplastische dreidimensionale Wurzelkanalfüllung. Erwärmte Guttapercha wird in den Kanal gepresst und damit auch Seitenkanäle und feine Verzweigungen an der Wurzelspitze hermetisch abgedichtet.

Wurzelkanalrevision

Treten bei bestehenden Wurzelkanalfüllungen erneut entzündliche Prozesse um die Wurzelspitze auf, muß der Zahn einer Wurzelkanalrevision unterzogen werden. Die Struktur des Wurzelkanalsystems ist meist sehr verzweigt. Es finden sich Seitenkanäle, untersichgehende Bereiche und oft sind die Kanäle in sich verwunden. Verbleiben Bakterien und Gewebereste in einem behandeltem Zahn können sich Mikroorganismen erneut vermehren und eine Entzündung auslösen. Weitere Ursachen wie Karies, Zahnfrakturen, defekte Füllungen und undichter Zahnersatz sind in Betracht zu ziehen.

Auf einem Röntgenbild läßt sich der Grund für die Entzündung oft erkennen:

  • Karies
  • Sekundärkaries
  • defekte Füllung
  • undichter Zahnersatz
  • insuffiziente Wurzelfüllungen (zu kurz, zu lang, unbehandelter Wurzelkanal, Hohlräume)

Läßt sich röntgenologisch bei einem schmerzfreien Zahn apikal ein gewebsauflösender Prozeß erkennen, muß er für den langfristigen Erhalt einer Wurzelkanalrevision unterzogen werden.

Ablauf einer Wurzelkanalrevision (2-3 Sitzungen):

  • Eröffnen des Zahnes
  • Komplette Entfernung der vorhandenen infizierten Wurzelfüllung
  • Darstellung des gesamten Wurzelkanlsystems
  • Reinigung und Desinfizierung der Kanäle auch mit Hilfe eines Lasers
  • Weiteres Vorgehen wie bei einer Erstbehandlung der Wurzelkanäle

Mikrochirurgische Wurzelspitzenresektion

Eine Wurzelspitzenresektion ist die letzte Möglichkeit einen an der Wurzelspitze erkrankten Zahn im System zu erhalten. Falls möglich, sollte einer Revision der Wurzelkanalbehandlung der Vorzug gegeben werden.  Es gibt aber Gründe, die eine mikroskopische Wurzelspitzenresektion unumgänglich machen:

  • wenn bei einem Zahn die entzündete Wurzelspitzenregion nach einer lege artis erfolgten orthograden (von Zahnkrone zur Wurzelspitze) Wurzelkanalbehandlung nicht ausheilt
  • bei einer wurzelnahen (radikulären) Zyste
  • bei anatomischen Besonderheiten, wie extreme Wurzelkrümmungen, ausgedehnte Verästelungen der Wurzeln. Diese Bereiche  können nicht aufbereitet und gereinigt werden
  • bei abgebrochenen (frakturierten) Wurzelkanalfeilen im letzten Drittel der Wurzelspitze

Ablauf einer mikrochirurgischen Wurzelspitzenresektion

Unter Zuhilfenahme eines OP-Mikroskopes wird der entzündete oder zystisch veränderte Bereich um die Wurzelspitze dargestellt. Das erkrankte Gewebe wird mit mikrochirurgischen Instrumenten ausgeräumt und die Wurzel um ca. drei Millimeter gekürzt und geglättet. Im  Resektionsquerschnitt wird die Wurzelkanalfüllung mit einem Ultraschallgerät retrograd (von der Wurzelspitze zur Zahnkrone) um vier Millimeter entfernt. Dieser entstandene Hohlraum in der Wurzel wird gereinigt, getrocknet und mit einer biokompatiblen und bakteriendichten Füllung (retrograde Wurzelfüllung) versiegelt und auf Dichtigkeit überprüft. Nun kann die Entzündung um die Wurzelspitze ausheilen und sich neuer Knochen bilden. Das sollte man halbjährlich röntgenologisch kontrollieren, bis der erkrankte Bereich abgeheilt ist.

DVT - Digitale Volumentomographie

Für spezielle Fragestellungen in der Endodontie nutzen wir die digitale Volumentomographie (DVT) - ein dreidimensionales Röntgenverfahren: Hochauflösende Bilder bieten die exzellente Möglichkeit, sensible anatomische Strukturen zu erkennen und in die Behandlungsplanung einfließen zu lassen. Klassische Zahnfilmaufnahmen können die räumliche Anordnung von Zahnwurzeln, Wurzelkanalsystemen sowie umliegende knöcherne Strukturen in ihren Feinheiten nur eingeschränkt darstellen.

DVT Aufnahmen können angezeigt sein bei:

  • Verdacht auf durch Zahnwurzeln hervorgerufene Entzündungsprozesse im Kieferknochen
  • Behandlungsplanung im Rahmen endodontischer Revisionen ( z.B. bei Verdacht auf nichtbehandelte Kanäle, komplexe Wurzelkanalantomie, Perforationen oder Wurzelfrakturen)
  • Planung mikrochirurgischer Eingriffe an Zahnwurzeln in unmittelbarer Nachbarschaft zu anatomischen Strukturen (z.B. Sinus maxillaris, Nervus mentalis, Nervus mandibularis)
  • Diagnose nach Zahntrauma (Abklärung von Wurzel- und/oder Kieferfrakturen)
  • Interne und externe Wurzelresorptionen